Ich möchte Ihnen hier beschreiben, wie ich Hypnose und Trance verstehe und in meiner über 25 jährigen Erfahrung in hypnotherapeutischer Arbeit anwende.

Hypnose, Trance und Suggestionen

In der Forschungsliteratur findet man viele unterschied­liche Auffas­sungen darüber, was Hypnose ist oder sein soll. In meiner therapeu­tischen Praxis folge ich der Definition von Walter und Bärbel Bongartz, die Hypnose nicht als Zustand, sondern als eine Methode bezeichnen, um einen verän­derten Bewusstseins­zustand zu erreichen. Dieser Bewusstseins­zustand wird Trance oder hypnotische Trance genannt. Trance­erleb­nisse sind nicht nur Bestand­teil eines hypnotischen Erlebens, sondern gehören zur natürlichen Bandbreite mensch­licher Erfahrungen. Tanzen, musizieren, ins Kino gehen, Sport treiben ("runners high") sind alltägliche Methoden, um erwünschte und genuss­volle Trance­zustände zu erleben. Auch der Kontakt mit der Natur führt häufig zu einer natürlichen Veränderung des Alltags­bewusstseins mit einer entsprechenden regenerativen Kraft.

Tranceerleben im Sinne eines veränderten Bewusstseins­zustandes zeichnet sich aus durch eine verstärkte Konzentration auf den erlebten Inhalt unter gleich­zeitiger Ausblendung anderer (meist äusserer) Faktoren. Ob ein Tranceerleben sich negativ oder positiv auswirkt, ist von seinem Inhalt abhängig. Ein Beispiel eines alltäglichen, negativen Trance­erlebens (eine sog. "Problem-Trance") ist das Grübeln. Grübeln hat alle Charakteris­tiken eines Trance-Zustandes: Man konzentriert sich auf einen bestimmten Inhalt (z. B. "Ich kann das nicht."), wiederholt dieses innere Selbst­gespräch immer wieder (negative Selbst-Suggestionen) und blendet dabei die Bereiche der realen eigenen Kompetenzen und Ressourcen aus. In diesem Sinne braucht der Grübelnde (nicht bewusst) die Methode der Selbst­hypnose um einen negativen Trance­zustand einzuleiten.

Im Rahmen der Hypnotherapie werden positive Trance­zustände eingeleitet (induziert) und genutzt. Die Konzentration ist auf ressourcen­volles Erleben ausgerichtet, auf die Möglich­keiten der eigenen Kontrolle und Gestaltungs­fähigkeit. Damit diese inneren Möglich­keiten sich entfalten können, werden irrelevante Reize wie z. B. äussere Ablenkungen ausgeblendet.

Therapeutische hypnotische Suggestionen sind Angebote auf sprach­licher oder bild­hafter Ebene, um innere Zustände zu entdecken, auszukund­schaften oder zu entwickeln. Im Rahmen einer klinischen Hypnose­therapie sind Sugges­tionen lediglich Angebote oder Einladungen, um das innere Erleben zu bereichern. Es wird nichts erzwungen. Ein Klient oder Klientin kann diese in absoluter Willens­freiheit annehmen, ablehnen oder für sich so umwandeln, dass sie individuell stimmig wird. Im Rahmen einer psycho­therapeu­tischen Hypnose werden Suggestionen also nicht als mani­pulative Beinflussung verstanden oder eingesetzt. In diesem Sinne sind Sugges­tionen ein entwicklungs- und ressourcen­förderndes Instrument. Ich grenze mich in meiner Arbeit deshalb auch klar von einem mani­pulativen Hypnose­stil ab, wie er häufig v.a. in Filmen kolportiert wird.

Wirkfaktoren von Hypnose und Trancezuständen

Eine für mich nützliche Unterscheidung von mentalen Prozessen ist die in Primär- und Sekundär­prozesse.

Mentale Prozesse (Gedanken, Gefühle, Vorstel­lungen) auf der sekundär­prozess­haften Ebene entsprechen (etwas vereinfacht) dem logisch-analytischen Denken, also mehr oder weniger dem bewussten, all­täglichen Denken. Dies ist gewisser­massen die "offizielle Bühne" des Denkens und Fühlens. Sekundär­prozess­haftes Denken ist die Domäne der bewussten, willent­lichen Entschei­dungen und Handlungen und eine Funktion der linken Seite des Frontal­hirns. Auch aufgrund von gesell­schaftlich etablierten Annahmen glauben wir, dass wir uns haupt­sächlich im Zustand des sekundär­prozess­haften Denkens aufhalten. Die sekundär­prozess­haften Funktionen des Frontal­hirns haben eine wichtige Funktion bei Lern­vorgängen und der Inte­gration von psychi­schen Prozessen.

Die primärprozesshaften mentalen Prozesse erleben wir am deutlichsten während Tag- und Nacht­träumen oder bei kreativen, intuitiven Arbeiten. Medi­tierende Menschen erfahren den primär­prozess­haften Bewusstsein­sstrom als "ablenkende Gedanken", während sie sich auf ein Mantra konzentrieren.
Die neuere Forschung gibt Anhalts­punkte dafür, dass wir uns nicht entweder im sekundär- oder im primär­prozess­haften Zustand befinden, sondern dass die primär­prozess­haften mentalen Vorgänge ständig im Hinter­grund als nicht bewusste Prozesse aktiv sind und damit unser Verhalten, Erleben und Gefühle beein­flussen. Subjektiv kann mal mehr der Sekundär­prozess im Vordergrund sein (z. B. als bewusstes Nachdenken), oder der Primär­prozess (wie beim Tag­träumen). Der Primär­prozess ist (wiederum sehr vereinfacht) eine Funktion der rechten Gross­hirn­hälfte (im Zusammenspiel mit einem weit ver­zweigten Netz­werk von Hirn­modulen).

In der hypnotischen Trance kann das primär­prozess­hafte Erleben in den Vorder­grund geholt werden. Damit wird ihr Verände­rungs­potenzial nutzbar gemacht. Der Einbezug emotionaler Vorgänge, die Arbeit mit inneren natür­lichen Symbolen und Metaphern aktiviert tiefe Assoziations­felder im Gehirn, die für eine therapeutische Veränderung oder für eine Lösungs­entwicklung so besser zur Verfügung stehen. Hypno­therapie verändert nachweis­bar positiv die Hirn­aktivität und verbessert den Informations­fluss zwischen Hirn­bereichen.
Durch diese Innenfokussierung auf primär­prozess­hafte Vorgänge können aber nicht nur mögliche Ressourcen, sondern auch mentale Blockaden erkannt werden, die sonst der bewussten Aufmerk­samkeit nicht zugänglich sind. So können psychische Muster (sogenannte "Schemata") direkt erfahren und damit bearbeit­bar werden. Die erlebten psychischen Grenzen werden erweitert und so kann eine neue Problem- und Lösungs­sicht entstehen.

Der Hypnose-Zustand unterscheidet sich von einer blossen Vorstellungs­tätigkeit durch ein verstärktes Erleben des Imaginierten. Das Eintauchen, die Immersion in das innere Erleben ist intensiver. Körper und Geist reagieren, "als ob" man in der vor­gestellten Situation wäre (EEG- und Elektro­myogramm-Studien). Ruft man beispiels­weise in der hypnotischen Trance eine Erinnerung ab, wie man angenehm massiert wurde, so reagiert der Körper darauf so, als ob dies jetzt im Moment geschehen würde. Auf diese Weise können nützliche Erinnerungen von Selbst­bewusstsein, Sicherheit, Konzen­tration oder Ent­spannung für eine Problem­lösung benutzt werden.

Leider ist die tiefe Trance das, was häufig durch Romane oder Filme als die eigent­liche Hypnose dar­gestellt wird, und sich so auch in der Vor­stellung der Leute fest­setzt. Diese ist für therapeu­tische Zwecke unnötig und sogar kontra­produktiv, weil sie die Integra­tion von bewussten und un­bewussten Prozessen behindert. Wenn eine tiefe Trance zusätzlich durch Schnell­induk­tionen erreicht wird, kann diese psycho­logisch heikel sein, weil der dadurch ent­standene Trance­zustand durch einen mentalen Totstell­reflex entsteht.

Dabei ist die Tiefe der Hypnose unwichtig. Das Ziel therapeu­tischer Arbeit ist das verbes­serte Zusammen­spiel von primär- und sekundär­prozess­haften mentalen Vor­gängen. Man könnte auch sagen, eine verbes­serte Kommuni­kation zwischen Bewusst­sein und Unbe­wusstem, bzw. dem Nicht-Bewussten. Deshalb arbeite ich meistens mit einer leichten hypno­tischen Trance­tiefe, weil diese für die meisten Menschen gut erreich­bar und für therapeu­tische Ziel­setzungen optimal ist. Diese zeichnet sich aus durch eine Fokussie­rung auf innere psychi­sche Prozesse und ein gewisses Aus­blenden äusserer Umwelt­faktoren. Der Klient oder Klientin ist gleich­zeitig präsent und hat voll­kommene Kontrolle über den Prozess. In diesem lockeren Zusammen­spiel von psychisch bewussten und un­bewussten Vor­gängen werden die besten, aus dem Inneren heraus selbst entwickelte Lösungen für psycholo­gische Probleme oder Anliegen gefunden. Um die Vertraut­heit mit inneren primär­prozess­haften Vorgängen zu fördern und diese für Selbst­hypnose nutzbar zu machen, führe ich auch häufig Hypnose-Einheiten als Konversations­hypnose durch. Was von aussen wie ein konzen­triertes Gespräch aussieht, ist ein Pendeln zwischen innen­fokussierten Prozessen und bewusster Bearbeitung auf sekundär­prozess­hafter Ebene.

Anwendungsmöglichkeiten der Hypnosetherapie

Die Anwendungs­möglichkeiten der Hypno­therapie und damit die Nutzbar­machung primär­prozess­hafter Vorgänge sind viel­fältig. Ich wende die Hypno­therapie häufig in Kombination mit anderen Psycho­therapie-Methoden an. Bekannt und gut erforscht ist, dass so Psycho­therapie­prozesse intens­iviert und verkürzt werden können. Der fokussierte Zustand in der Trance erleich­tert das Finden und Erleben von Lösungen und auch deren Transfer in den Alltag.

Hypnosetherapie kann überall da mit Gewinn angewendet werden, wo Lösungen nicht alleine durch logisch-analytische Prozesse, Einsicht oder Willens­entschei­dungen umgesetzt werden können. Überall dort, wo Probleme durch subjektiv autonome, nicht-bewusste ("unbewusste") Prozesse entstehen ("Eigentlich wollte ich abnehmen, aber dann habe ich schon wieder einen Kübel Eis gegessen."). Es gibt unter­schiedliche hypno­therapeu­tische Ansätze, wie im inneren Dialog mit psychischen Prozessen solche autonom ablaufenden Vorgänge positiv verändert werden können.

Die Hypnotherapie ist auch eine Möglichkeit, sogenannte "Problem­trancen", wie sie häufig bei Angst­störungen oder Depres­sionen vorkommen, aufzulösen. In Problem­trancen geben sich Menschen unwillentlich negative Selbst­suggestionen in Form von Selbst­gesprächen ("Ich kann dies nicht.", "Dies wird misslingen.") und in Bildern (intensive Vorstellung, wie etwas misslingt). Das negative Ergebnis davon ist, dass jemand diese negativen Bilder nicht nur sich vorstellt, sondern diese auch tatsächlich glaubt. In der Hypno­therapie kann man in die Logik und Sequenz der Problem­trance einsteigen und entweder nur den Inhalt, aber auch den sequen­tiellen Aufbau der negativen Selbst­trance verändern.

Hypnotherapie kann auch als eine Massnahme bei Spannungs­zuständen oder zu starkem psycho­logischen und physio­logischen Stress angewendet werden. Durch das hypnotische Eintauchen in Bilder von Sicherheit, Ruhe oder Schutz können erwünschte Gefühls­zustände eingeladen und erlebt werden. Dies kann beispiels­weise wichtig sein als Vorbereitung zu einer trauma­bearbei­tenden Therapie­einheit.

Da ein Trancezustand eine gewisse Ähnlichkeit hat mit der Hirn­aktivität in der Einschlaf­phase, kann Hypnose und Selbst­hypnose als therapeu­tische Unter­stützung bei Schlaf­störungen angewendet werden. (Aller­dings braucht es bei Schlaf­störungen häufig auch eine Bearbei­tung der "Ursache" der Störung).

Psychische Probleme können auch ent­stehen, bzw. nicht gelöst werden, weil deren Komplexität und Mehr­dimensio­nalität das analytisch-logische Denken schlicht­weg über­fordert. In der hypno­tischen Arbeit auf der primär­prozess­haften Ebene können Probleme und Lösungen in Symbolen und Metaphern ganz­heit­licher darge­stellt und so einer intuitiven und stimmigen Lösung zuge­führt werden. Diese Form von hypno­therapeu­tischer Arbeit auf Metapher- und Symbol­ebene bietet sich an, wenn psy­chische Schwierig­keiten nicht auf eruier­bare Ursachen (wie z.B. auf erinner­bare belastende Ereig­nisse) zurück­geführt werden können. Auf diese Weise kann man auch Träume therapeutisch nutzbar machen.

Ich persönlich wende hypno­therapeu­tische Techniken nicht an, um "verdrängte" Erinnerungen im Bewusst­sein zugänglich zu machen. Es besteht dabei einfach zu sehr die Möglichkeit, dass Pseudo­erinnerungen kreiert werden. Wozu sich ein hypno­therapeu­tischer Ansatz aber gut eignet, ist, über eine sog. "Affektbrücke" den Zusammen­hang von Erinnerungen mit aktuellen Problemen gefühls­mässig ein­sichtig zu machen.

Im Sinne eines mentalen Trainings kann die hypnotische Trance (als Selbst­hypnose) benutzt werden, um durch gezielte Ressourcen- und Motivations-Aktivierungen eine geistige Haltung, ein "Mindset" zu erschaffen, mit der imaginativ erwünschte Verhaltens­weisen eingeübt werden.

Ich hoffe, Ihnen mit diesen Zeilen eine Idee vermittelt zu haben, wie ich Hypnose in meiner psycho­therapeu­tischen Praxis anwende.

NLP

In dieser Darstellung über die Möglichkeiten der Hypnosetherapie dürfen ein paar Worte zum Neurolinguistischen Programmieren nicht fehlen:

Das Neurolinguistische Programmieren (NLP) entstand in den siebziger Jahren aufgrund der Zusammenarbeit des Linguisten John Grinder und dem Psychologen und Mathematiker Richard Bandler. Aus der Beobachtung der Therapiemuster berühmter Therapeutenpersönlichkeiten wie Virginia Satir (Familientherapie), Fritz Perls (Gestalttherapie) und Milton Erickson (klinische Hypnose) entstand im Laufe der Zeit eine Sammlung wirkungsvoller therapeutischer Methoden.

Die zentrale Idee beim NLP ist, dass die Art wie wir Sprache und Denken strukturieren, einen ganz bestimmten Einfluss auf unser Nervensystem hat (deshalb "neurolinguistisch"). Zudem versuchten Bandler und Grinder die therapeutischen Verfahren in eine mathematikähnliche Sprache zu übersetzen (deshalb "programmieren").

Das Ziel des NLP ist, durch die Beschreibung von Denkprozessen das eigene Erleben gezielt auf nützliche Weise zu verändern. Im NLP wurde von Anfang an konsequent auf die (verborgenen) Fähigkeiten des Klienten gesetzt. Was heute in der Psychotherapie als Ressourcenorientierung Allgemeinwissen darstellt, hätte ohne NLP nicht diese Verbreitung gefunden.

NLP verbreitete sich schnell als Form einer Kurzzeittherapie. Auch im Wirtschaftsbereich wurde das NLP eine wichtige Methode in Coaching und Supervision von Einzelpersonen in veranwortungsvollen Positionen. Stress und Burnout sind Bereiche, in denen sich mit NLP gut arbeiten lässt. Neben Burnout und Stresszuständen lässt sich im beruflichen Bereich NLP einsetzen bei Fragen wie:

Innerhalb der Psychotherapie wird NLP häufig angewendet bei: